Nach einigen Monaten Abstinenz hatte ich den Entschluss gefasst, meinen fediverse Lebensmittelpunkt umzuziehen. Dafür war eine Pause notwendig. Es brauchte Abstand, denn nachdem ich über Monate und eigentlich schon in den letzten beiden Jahren meines digitalen Lebens im fediverse dort immer weniger Spass hatte und dann sogar echte Bauchschmerzen bekam, war ich kurz davor, das Leben im und mit dem fediverse aufzugeben. Ich fand einfach lange keine lebbare Alternative und zuerst war ich auch gar nicht auf die Idee gekommen, dass ein Umzug auf eine andere technische Plattform wie friendica oder Mastodon eine Lösung sein könnte.
Weshalb wollte ich aufhören?
Der Grund sowohl für Bauchschmerzen als auch allgemeine Unzufriedenheit liegt eigenartigerweise darin begründet, dass das fediverse immer neue Bewohner bekommt. Viele dieser Bewohner haben es entweder verlernt oder sie haben es niemals gelernt, wie man miteinander umgeht und wie nicht. Dogmatische Schwarz-Weiß-Malereien wären an sich nicht weiter schlimm, wenn man eine Möglichkeit hätte, diese Meinungen effektiv auszublenden. Leider gibt dies Gnusocial nicht her. Ihr denkt jetzt sicher, dass man doch Accounts blockieren könnte und tatsächlich kann man dies natürlich tun. Nur, sobald jemand, mit dem Du in Kontakt bist auf eine Entgegnung in Richtung einer blockierten Person antwortet, hast Du dessen Einlassungen auch wieder in Deiner Timeline. Diese technische Schwäche hat mir die komplette Lust an
meinem fediverse genommen, denn die Inhalte zu blocken wäre also nur möglich, wenn ich quasi eine ganze Wolke von Leuten aussperre, dabei eben auch Leute, an denen mir wirklich was liegt.
Und dann kam alles anders
Die Lösung kam eher zufällig daher.
Ich las vor einigen Wochen einen empfohlenen Artikel einer Autorin, die Artikel u.a. auch auf Medium veröffentlicht. In dem genannten Artikel wurde Mastodon vorgestellt. Ich hatte den eigentlichen Hype absichtlich verpasst, fand er doch mitten in der Phase statt, wo ich die größten Probleme mit dem fediverse und seinen Auswüchsen hatte. Die Autorin warf einen Blick auf das System aus Nutzersicht. Obwohl sie auch aus einer technischen Ecke kommt hat sie den Artikel quasi komplett technikfrei gehalten und ist stattdessen vor allem auf den Schutz der Privatssphäre-Einstellungen eingegangen. Vermutlich tat sie das auch deshalb, weil sie sich selber und auch andere Frauen gegen meine Artgenossen (= Männer) schützen muss. Weil, Männer leben und artikulieren allzu oft Rollenbilder, die, vorsichtig formuliert, von gestern bis vorgestern sind (ich nehme mich selber da ausdrücklich nicht aus). Aber, dass ist ein anderes Thema. Jedenfalls erfuhr ich so von Mastodon und auch davon, dass Mastodon kann, was u.a. auch bei Twitter ganz normal möglich ist: Sich dafür entscheiden, Inhalte mancher Leute nicht zu sehen.
Fediverse. Der neue Band
Und so beginnt ein neues Kapitel im fediverse. Während meiner Abwesentheit scheinen sich auch noch andere Dinge ereignet zu haben. Alleine deshalb kann es durchaus sein, dass dieses nächste Kapitel mehr ist als ein neues Kapitel, vielleicht ist es ein vollkommen neuer Band der digitalen Gegenwart und Zukunft. Die letzte Schälung ist schon einige Jahre her, damals vollzogen wir ebenfalls einen Umzug, der einem evolutionären Entwicklungsschritt gleich kam. Wir zogen weg von Identica und fanden eine neue, wirklich dezentral geordnete Welt im fediverse.