Der Herbst ist da

Vom einen auf den anderen Tag ist der Herbst da. Noch in dieser Woche hatten wir 30°C mit Nachttemperaturen um die 25°C und nun habe ich das Gefühl, dass übergangslos der Sommer vorbei ist. Ich verbringe meine Tage mit allerlei mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten, Planungen und dem Herumspinnen neuer manchmal auch alter Ideen. Mein Rad macht mir derzeit viel Spaß. Dabei sind es die Pläne, die ich damit schmiede, die besonders viel Freude machen. Manchmal erinnere ich sogar Details, die 30 Jahre und mehr zurückliegen. Für mich ist das deshalb besonders, weil einige meiner Langzeiterinnerungen beschädigt sind. Vieles ist komplett weg. Auch wenn das gesundheitliche Gründe hat, es also so auch erklärbar ist, löst es gerade deshalb Emotionen aus, wenn dann wieder ein Detail aus dem Erinnerungsnebel aufsteigt.

Ich denke in diesen Tagen auch wieder viel an S.. Wie geht es ihr? Was beschäftigt sie? Ist die glücklich? Mehr Details will ich hier nicht aufschreiben aber es gibt eben auch konkrete Gründe, sich ein wenig mehr Sorgen zu machen als sonst. Außerdem vermisse ich sie immernoch an jedem Tag, beinahe wirklich in jedem Moment und manchmal sogar im Traum.

Musik. Und Stille

Stille in der Wohnung. Nur das Tippen auf der Tastatur ist zu hören. Ein Nachbar ist gestorben. Das Arschloch Krebs hat sich wieder einen Menschen geholt und ich suche eine Gedenkkarte. Ja, ich habe tatsächlich einige wenige Karten auch für diesen Anlass im Haus. Als ich anfing zu suchen, fand ich es an sich recht eigenartig, dass ich sowas im Haus habe. Dann wurde es still. Ich fand die Karten und konnte plötzlich das Gesabber, dass aus dem Fernseher floss, nicht mehr ertragen. Ton aus, dann den ganzen Fernseher aus. Ich hänge meinen Erinnerungen an meinen Nachbarn nach. Es ist dies wohl eine typische Dorfgeschichte. Ich kannte ihn vom Sehen her schon seit Jahrzehnten. Als ich dann in meine aktuelle Wohnung zog und gleich herzlich aufgenommen wurde in der Nachbarschaft, sah ich ihn weiter regelmäßig mit seinem Rad durch den Ort fahren. Mit seiner Frau unterhalte ich mich desöfteren. Wir haben uns ein wenig auf unserem Straßenfest kennengelernt, habe zusammen auf- und abgebaut, wir treffen uns bei einem fahrenden Metzger, der einmal die Woche hier vorbei kommt. Und dann erzählt mir ein Leidensgenosse in Sachen ÖPNV, der ebenfalls in meiner Straße wohnt, der Mann sei verstorben. Er sei als junger Mann hierher gekommen, habe sich verliebt und sei geblieben. Er sei ein Belgier. In meinem Kopf entstehen gleich mal Geschichten über radfahrende und Fußball spielende Belgier. Da hab ich ihn nämlich zuerst getroffen. Ich war 12 Jahre alt oder 13 und er beobachtete unser Training und hat sich die Heimspiele angesehen, aufmerksam und regelmäßig. Die D-Jugend eines Dorfvereines hat normalerweise nicht viele Zuschauer, wenn man die Familienmitglieder der Mitspieler mal unberücksichtigt lässt. Da fällt es auf, wenn sich jemand interessiert. Nun ist also Hr. van H. vor einigen Tagen verstorben. Ich bin traurig.

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